Bildungsveranstaltung 2018

Soziale Ungleichheit und Demokratie

Samstag, den 9. Juni 2018
(ab 10.00 h Kaffee) 11.00 – 17.00 h

Bitte Anmelden bis 31. Mai 2018!

Anmeldeformular: Die Bildungsveranstaltung ist ausgebucht

Anreise:
ÖV mit Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg.
Für Anreise mit Auto: Parkplatz Buchenegg.
Die Fusswege (je ca. 25 Min.) sind ausgeschildert.
Zufahrt zum Mösli nur mit Ausnahmebewilligung.

bei Fragen: Barbara Hobi 044 201 08 77


Die Gleichheit aller Bürgerinnen und Bürger ist ein Grundprinzip jeder Demokratie, das kein Land – auch die Schweiz nicht- erfüllt. Die Schweiz hat sich in den letzten 150 Jahren von einem armen Auswanderungsland zu einem der reichsten Länder entwickelt. Doch dieser Reichtum ist sehr ungleich verteilt: 1% der Bevölkerung besitzt mehr Vermögen als die restlichen 99%. Damit hält die Schweiz einen Rekord, was die Ungleichverteilung der Vermögen betrifft.

Auch die Lohnschere öffnet sich weiter. Das Verhältnis zwischen dem höchsten und dem tiefsten ausbezahlten Lohn in einem Unternehmen beträgt gemäss UNIA im Jahr 2017 1:165.2016 war es noch 1:150. Die exorbitanten Managerlöhne sind weiter gestiegen, während 145‘000 Erwerbstätige unter der Armutsgrenze leben müssen. Insgesamt waren 2015 in der reichen Schweiz 570’000 Menschen armutsbetroffen, das sind 7% der Wohnbevölkerung und 40‘000 Menschen mehr als im Vorjahr, darunter rund 50‘000 Kinder und Jugendliche.

Demokratie zielt darauf ab, bestmöglichst alle Menschen in den gemeinsamen Willens- und Entscheidungsbildungsprozess zu integrieren. Die politischen Beteiligungsformen müssen kontinuierlich daran gemessen werden, inwiefern sie Ausschluss von Menschen produzieren oder auf eine grösstmögliche Beteiligung an Entscheidungsprozessen hinwirken. Eine funktionierende Demokratie basiert auf der Annahme, dass mündige Bürgerinnen und Bürger sich ihren selbst gegebenen Gesetzen und Vereinbarungen selbstbestimmt unterwerfen.

Mit der zunehmenden sozialen Ungleichheit geht eine systematische Benachteiligung ganzer Bevölkerungsgruppen einher. Gleichzeitig wird der Druck auf diese Menschen durch Umverteilungsmassnahmen zusätzlich erhöht, wie das an den Sparmassnahmen bei den Ärmsten in der Sozialhilfe zu beobachten ist. Zwar könnte mit Steuern die Ungleichheit geschmälert werden, doch das Gegenteil passiert. Während bei den Sozialausgaben immer wieder der Rotstift angesetzt wird, werden die Superreichen immer reicher. Wie ist es möglich, dass Vorstösse zur Verkleinerung der Vermögens- oder Einkommensunterschiede regelmässig an der Urne scheitern? Gegen die Interessen von Finanzdienstleistern, Industrie, Gewerbe und Bauernverband haben die Gewerkschaften in berufspolitischen Verhandlungen kaum eine Chance. Die grosse soziale Ungleichheit ist in der Schweiz weniger sichtbar, doch die Segregation wächst rasch. Auch das Bankgeheimnis und die Steuerintransparenz verbergen die grossen Unterschiede. Anders als in den anderen europäischen Ländern muss in der Schweiz die Finanzierung der Parteien und ihrer Kampagnen nicht offengelegt werden. Kapitalstarke Interessengruppen können massgeblichen Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen, ohne dass dies sichtbar ist. Wie kann eine Demokratie unter diesen Bedingungen ihrem Namen noch gerecht werden?

An der diesjährigen Tagung wollen wir Fragen rund um soziale Ungleichheit und Demokratie nachgehen. Uns interessiert, welche Auswirkungen eine zunehmende soziale Ungleichheit und individuelle Benachteiligung auf die Entwicklung der Demokratie hat. Demokratie ist ein andauernder und nie vollendeter Prozess, da die gemeinsamen Belange des Zusammenlebens fortwährend zu klären sind.Die damit verbundenen Rechte müssen gleichsam bewahrt oder erneut erkämpft werden.

Die drei folgenden Referenten werden die Thematik aus ihrer jeweiligen Perspektive spezifisch beleuchten:

Ueli Mäder – Soziale Ungleichheit und (Gegen-)Macht
Seit Ende der 80er-Jahre nehmen soziale Ungleichheiten in der Schweiz bei den Vermögen und teilweise auch bei den freien verfügbaren Einkommen zu. Dahinter verbergen sich finanzgetriebene Interessen. Sie setzen sich vermehrt durch und verschärfen die soziale Brisanz. Angeblich wegen der Globalisierung. Aber die wirtschaftliche Macht von hiesigen Mächtigen, politische Haltungen und die Ökonomisierung der Lebenswelt spielen entscheidend mit. Und wir? Wir diskutieren miteinander die Analyse von Ueli Mäder und alternative, weiterführende Ansätze. Zu den Schwerpunkten des emeritierten Professors für Soziologie zählen soziale Ungleichheit und Konfliktforschung. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen zu Armut, Reichtum und Macht.

Kurt Wyss – Soziale Ungleichheit und Unfähigkeit zur Demokratie: wie beides von fast allen befördert wird
Mit seiner Analyse der sozialstaatlichen Entwicklung von Welfare zu Workfare hat der Soziologe Kurt Wyss einen essentiellen Beitrag zum Verständnis der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 30 Jahre geleistet. Seine Untersuchung ermöglicht eine Verortung der politischen Positionen von Neoliberalismus, Neokonservatismus und New Labour. Er wird in seinem Vortrag die These vertreten, dass die drei Neo-Strömungen Ideologien vertreten, die gemeinsam sowohl die ständig anwachsende soziale Ungleichheit als auch die ständig anwachsende Unfähigkeit zur Demokratie befördern. Als zentral sieht er hierbei die zum Ganzen erklärten und immer regressiver ausgelegten Begriffe von Arbeit (neoliberal), Gemeinschaft (neokonservativ) und Bildung (New Labour) an.

Andreas Gross –Soziale Ungleichheit als Bedrohung für die Demokratie
Als ein ausgewiesener Kenner der direkten Demokratie beobachtet Andreas Gross die politischen Entwicklungen in der Schweiz, in Europa und der Welt im Hinblick auf Demokratisierungs- und Entdemokratisierungstendenzen. In seinem «Atelier für direkte Demokratie» analysiert der Politikwissenschaftler demokratische Errungenschaften. Er wird in seinem Referat darstellen, ob und allenfalls inwiefern diese erkämpften Rechte vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Veränderungen in Gefahr stehen.

Organisation:
Freundeskreis Mösli, Stiftung Kinderfreundeheim Mösli, Pro Rote Falken, Rote Falken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.