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Bildungsveranstaltung 2019

Globale soziale Ungleichheit und die Rolle der Schweiz

Samstag, den 22. Juni 2019
(ab 10.00 h Kaffee) 11.00 – 17.30 h

Bitte Anmelden bis 3. Juni 2019!

-> Anmeldeformular

Kosten:
Fr. 30.– inkl. Mittagessen

Anreise:
ÖV mit Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg.
Für Anreise mit Auto: Parkplatz Buchenegg.
Die Fusswege (je ca. 25 Min.) sind ausgeschildert.
Zufahrt zum Mösli nur mit Ausnahmebewilligung.

Wir bieten einen Treffpunkt am Hauptbahnhof an, um gemeinsam ins Mösli zu gelangen. Nähere Infos folgen nach der Anmeldung.

bei Fragen: Barbara Hobi 044 201 08 77


Für eine Demokratie wie der Schweiz müsste es eine Selbstverständlichkeit sein, sich für Gleichheit und Gerechtigkeit für die Bürgerinnen und Bürger einzusetzen. Dass diese Umsetzung aber auch hier nicht flächendeckend gelingt, zeigt sich im Umgang mit Minderheiten und besonders deutlich bei der Unterscheidung zwischen BürgerInnen und BewohnerInnen der Schweiz. Deshalb waren verschiedene Aspekte von Ungerechtigkeit und Benachteiligungen in der Schweiz wiederholt Thema an unseren Bildungstagen.

Aber wie sieht es gegen aussen aus? Setzt sich die Schweiz für eine gerechtere Welt ein? Zwar hebt die offizielle Schweiz gegen innen und aussen gerne ihre sprachliche Vielfalt und Integrationserfolge im Land hervor, ebenso ihre diplomatischen Vermittler-Dienste bei internationalen Konflikten. Aber gleichzeitig spielt sie eine überaus aktive Rolle in der Bewirtschaftung der globalen sozialen Ungleichheit. So hat sie jahrzehntelang Potentatengelder angezogen und tut das immer noch. Auch der schmutzige Edelmetallhandel, an dem Schweizer Firmen beteiligt sind, zeigt seit Jahrzehnten immer wieder neue Facetten. Einflussreiche Kreise möchten weiterhin Waffen in Spannungsgebiete verkaufen, neuerdings sogar in Bürgerkriegsländer. Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass die Lobby gegen die  Konzernverantwortungsinitiative im Ständerat jüngst erfolgreich war. Die janusköpfige Aussenpolitik der Schweiz verweist vordergründig auf ihre humanitäre Tradition, stellt dann aber wirtschaftlich ganz andere Weichen. Diese Beispiele verweisen darauf, dass die Schweiz eine Politik verfolgt, der es nicht um eine gerechte Welt geht. Das zeigt auch der Globalisierungsreport 2018  der Bertelsmann Stiftung: Die kleine Schweiz wird darin als „Globalisierungsweltmeister“ bezeichnet, weil sie mehr als alle anderen Länder von der Globalisierung profitiert. Wie kann das sein? Was läuft alles hinter unserem Rücken auf dem Buckel anderer?

Wir möchten genauer anschauen, in welchem Ausmass und durch welche Vorgehensweisen die Schweiz zur globalen sozialen Ungleichheit beiträgt. Unter folgenden Gesichtspunkten werden wir das Thema beleuchten:

Referate und ReferentInnen

Entwicklungsland Schweiz?
Der Philosoph und Historiker Dominik Gross arbeitet als Experte für internationale Finanzfragen bei der NGO Alliance Sud. Er beschäftigt sich mit Fragen rund um internationale Steuergerechtigkeit und vertritt seine Organisation in der Global Alliance for Tax Justice (GATJ). In seinem Referat zeigt er auf, wie die Schweiz an ihrer Rolle als Steueroase festhält und damit die UNO-Entwicklungsziele für nachhaltige Entwicklung unterläuft.

Dominik Gross von Alliance Sud wird in seinem Referat diskutieren, wie die Schweizer Steuerpolitik trotz Weissgeld-Strategie noch immer zur Verschleierung illegitimer Finanzflüsse beiträgt. Er hat in seinen Analysen aufgezeigt, dass die Schweiz international eine massgebende Rolle spielt, indem anderen Ländern aufgrund der schweizerischen Steuerpolitik hohe Steuereinnahmen verloren gehen.

Handel mit Agrarprodukten: Konsequenzen zunehmender Marktmacht
Das milde Steuerklima ist einer der Gründe für die brisante Rolle, welche die Schweiz im internationalen Rohstoffgeschäft spielt. Unser Land ist nicht nur eine bedeutende Drehscheibe für den globalen Öl Handel, sondern auch für Agrarrohstoffe. Thomas Braunschweig von Public Eye (ehemals Erklärung von Bern) ist Mitautor des Buches „Rohstoff. Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“. In seinem Referat gibt er Antworten auf folgende Fragen: Wie ist der Agrarhandel aufgebaut und welche Auswirkungen hat der immer konzentriertere Handel auf der Produktions- und Konsumseite? Welche Gefahren gehen vom möglichen Machtmissbrauch durch multinationale Konzerne aus und worin besteht die Rolle – und Verantwortung – der Schweiz als globale Handelsdrehscheibe?

Arbeitsformen in der Landwirtschaft
Im letzten Teil der Tagung möchten wir uns unter der Anleitung von Johanna Herrigel, Wirtschaftsgeographin der Universität Zürich, und anhand des Beispiels Landwirtschaft mit der Vielfalt von Arbeitsformen und -bedingungen, im Globalen Süden und im Globalen Norden, auseinandersetzen. Hauptsächlich in Form eines Workshops beschäftigen wir uns mit der Koexistenz vielfältiger Arbeitsformen, und der Frage, welche davon wir im Alltag vermehrt fördern möchten, um bessere Arbeitsbedingungen und somit soziale Gleichheit insgesamt zu stärken.

Organisation:
Freundeskreis Mösli, Stiftung Kinderfreundeheim Mösli, ProRoteFalken

Anmeldung: Film im Mösli 2019

Samstag, 2. November 2019: Thema folgt…

Kosten: Fr. 30.- für Verpflegung
Anmelden bis 1. November
11 bis 18 Uhr ab 10.30 Kaffee
Wir freuen uns auf Dich!

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Kommentar / Frage

Bildungsveranstaltung 2018

Soziale Ungleichheit und Demokratie

Samstag, den 9. Juni 2018
(ab 10.00 h Kaffee) 11.00 – 17.00 h

Bitte Anmelden bis 31. Mai 2018!

Anmeldeformular: Die Bildungsveranstaltung ist ausgebucht

Anreise:
ÖV mit Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg.
Für Anreise mit Auto: Parkplatz Buchenegg.
Die Fusswege (je ca. 25 Min.) sind ausgeschildert.
Zufahrt zum Mösli nur mit Ausnahmebewilligung.

bei Fragen: Barbara Hobi 044 201 08 77


Die Gleichheit aller Bürgerinnen und Bürger ist ein Grundprinzip jeder Demokratie, das kein Land – auch die Schweiz nicht- erfüllt. Die Schweiz hat sich in den letzten 150 Jahren von einem armen Auswanderungsland zu einem der reichsten Länder entwickelt. Doch dieser Reichtum ist sehr ungleich verteilt: 1% der Bevölkerung besitzt mehr Vermögen als die restlichen 99%. Damit hält die Schweiz einen Rekord, was die Ungleichverteilung der Vermögen betrifft.

Auch die Lohnschere öffnet sich weiter. Das Verhältnis zwischen dem höchsten und dem tiefsten ausbezahlten Lohn in einem Unternehmen beträgt gemäss UNIA im Jahr 2017 1:165.2016 war es noch 1:150. Die exorbitanten Managerlöhne sind weiter gestiegen, während 145‘000 Erwerbstätige unter der Armutsgrenze leben müssen. Insgesamt waren 2015 in der reichen Schweiz 570’000 Menschen armutsbetroffen, das sind 7% der Wohnbevölkerung und 40‘000 Menschen mehr als im Vorjahr, darunter rund 50‘000 Kinder und Jugendliche.

Demokratie zielt darauf ab, bestmöglichst alle Menschen in den gemeinsamen Willens- und Entscheidungsbildungsprozess zu integrieren. Die politischen Beteiligungsformen müssen kontinuierlich daran gemessen werden, inwiefern sie Ausschluss von Menschen produzieren oder auf eine grösstmögliche Beteiligung an Entscheidungsprozessen hinwirken. Eine funktionierende Demokratie basiert auf der Annahme, dass mündige Bürgerinnen und Bürger sich ihren selbst gegebenen Gesetzen und Vereinbarungen selbstbestimmt unterwerfen.

Mit der zunehmenden sozialen Ungleichheit geht eine systematische Benachteiligung ganzer Bevölkerungsgruppen einher. Gleichzeitig wird der Druck auf diese Menschen durch Umverteilungsmassnahmen zusätzlich erhöht, wie das an den Sparmassnahmen bei den Ärmsten in der Sozialhilfe zu beobachten ist. Zwar könnte mit Steuern die Ungleichheit geschmälert werden, doch das Gegenteil passiert. Während bei den Sozialausgaben immer wieder der Rotstift angesetzt wird, werden die Superreichen immer reicher. Wie ist es möglich, dass Vorstösse zur Verkleinerung der Vermögens- oder Einkommensunterschiede regelmässig an der Urne scheitern? Gegen die Interessen von Finanzdienstleistern, Industrie, Gewerbe und Bauernverband haben die Gewerkschaften in berufspolitischen Verhandlungen kaum eine Chance. Die grosse soziale Ungleichheit ist in der Schweiz weniger sichtbar, doch die Segregation wächst rasch. Auch das Bankgeheimnis und die Steuerintransparenz verbergen die grossen Unterschiede. Anders als in den anderen europäischen Ländern muss in der Schweiz die Finanzierung der Parteien und ihrer Kampagnen nicht offengelegt werden. Kapitalstarke Interessengruppen können massgeblichen Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen, ohne dass dies sichtbar ist. Wie kann eine Demokratie unter diesen Bedingungen ihrem Namen noch gerecht werden?

An der diesjährigen Tagung wollen wir Fragen rund um soziale Ungleichheit und Demokratie nachgehen. Uns interessiert, welche Auswirkungen eine zunehmende soziale Ungleichheit und individuelle Benachteiligung auf die Entwicklung der Demokratie hat. Demokratie ist ein andauernder und nie vollendeter Prozess, da die gemeinsamen Belange des Zusammenlebens fortwährend zu klären sind.Die damit verbundenen Rechte müssen gleichsam bewahrt oder erneut erkämpft werden.

Die drei folgenden Referenten werden die Thematik aus ihrer jeweiligen Perspektive spezifisch beleuchten:

Ueli Mäder – Soziale Ungleichheit und (Gegen-)Macht
Seit Ende der 80er-Jahre nehmen soziale Ungleichheiten in der Schweiz bei den Vermögen und teilweise auch bei den freien verfügbaren Einkommen zu. Dahinter verbergen sich finanzgetriebene Interessen. Sie setzen sich vermehrt durch und verschärfen die soziale Brisanz. Angeblich wegen der Globalisierung. Aber die wirtschaftliche Macht von hiesigen Mächtigen, politische Haltungen und die Ökonomisierung der Lebenswelt spielen entscheidend mit. Und wir? Wir diskutieren miteinander die Analyse von Ueli Mäder und alternative, weiterführende Ansätze. Zu den Schwerpunkten des emeritierten Professors für Soziologie zählen soziale Ungleichheit und Konfliktforschung. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen zu Armut, Reichtum und Macht.

Kurt Wyss – Soziale Ungleichheit und Unfähigkeit zur Demokratie: wie beides von fast allen befördert wird
Mit seiner Analyse der sozialstaatlichen Entwicklung von Welfare zu Workfare hat der Soziologe Kurt Wyss einen essentiellen Beitrag zum Verständnis der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 30 Jahre geleistet. Seine Untersuchung ermöglicht eine Verortung der politischen Positionen von Neoliberalismus, Neokonservatismus und New Labour. Er wird in seinem Vortrag die These vertreten, dass die drei Neo-Strömungen Ideologien vertreten, die gemeinsam sowohl die ständig anwachsende soziale Ungleichheit als auch die ständig anwachsende Unfähigkeit zur Demokratie befördern. Als zentral sieht er hierbei die zum Ganzen erklärten und immer regressiver ausgelegten Begriffe von Arbeit (neoliberal), Gemeinschaft (neokonservativ) und Bildung (New Labour) an.

Andreas Gross –Soziale Ungleichheit als Bedrohung für die Demokratie
Als ein ausgewiesener Kenner der direkten Demokratie beobachtet Andreas Gross die politischen Entwicklungen in der Schweiz, in Europa und der Welt im Hinblick auf Demokratisierungs- und Entdemokratisierungstendenzen. In seinem «Atelier für direkte Demokratie» analysiert der Politikwissenschaftler demokratische Errungenschaften. Er wird in seinem Referat darstellen, ob und allenfalls inwiefern diese erkämpften Rechte vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Veränderungen in Gefahr stehen.

Organisation:
Freundeskreis Mösli, Stiftung Kinderfreundeheim Mösli, Pro Rote Falken, Rote Falken

Bildungsveranstaltung 2017

Familien im Kontext staatlicher Interventionen
– zwischen Ermächtigung und Entmachtung

Samstag, den 10. Juni 2018
(ab 10.00 h Kaffee) 11.00 – 17.00 h

Bitte Anmelden bis 31. Mai 2017!

Anmeldeformular: hier klicken

Anreise:
ÖV mit Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg.
Bus 235 ab Zürich Wiedikon/Triemli bis Gamlikon.
Für Anreise mit Auto: Parkplatz Buchenegg.
Die Fusswege (je ca. 25 Min.) sind ausgeschildert.
Zufahrt zum Mösli nur mit Ausnahmebewilligung.


Das Thema „Familien im Kontext staatlicher Interventionen – zwischen Ermächtigung und Entmachtung“ sorgt immer wieder für Schlagzeilen und Diskussionen. An unserer Tagung vom 10. Juni 2017 werden drei empirische Studien vorgestellt, die – mit jeweils unterschiedlicher Perspektive – sozialstaatliche Interventionen in Familiensystemen untersuchten und dabei das Handeln der Jugendhilfe genauer analysiert haben. Mit welchen Zuschreibungen und Normierungspraktiken fanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Eingriffe staatlicher Behörden in Familien statt? Welche Bilder „guter“ oder „schlechter“ Elternschaft existieren heute in der professionellen Praxis der Jugendhilfe? Wer wird hier wie adressiert und erhält dadurch welche Verhandlungsposition? Welche Lebensgeschichten und -erfahrungen stecken hinter den ‚Fällen‘ der Jugendhilfe? Wo gelingen Unterstützungsprozesse und Ermächtigungen von Eltern sowie ihren Kindern und wo führen sozialstaatliche Interventionen zu Entmachtung oder Stigmatisierung?
Die Ergebnisse der Studien zeigen historisch und aktuell u.a. auf, wie (soziale) Eltern und Kinder durch das Hilfesystem der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik jeweils adressiert werden. Entlang der Vorträge kann gemeinsam über Normativitäten im Kinderschutz und Bedingungen gelingender sozialstaatlicher Interventionen in diesem Feld diskutiert werden.
Getreu dem Motto von August Bebel: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ starten wir mit einem Blick in die Vergangenheit.

Urs Hardegger – historische Perspektive
Vormundschaftsakten sind Akten behördlicher Ordnungs- und Verwaltungstechnik. Sie ordnen und deuten die Wahrnehmung und legitimieren das behördliche Handeln.
Dieser Quellenkorpus hat der Erziehungswissenschafter Urs Hardegger ausgewertet, um die Zeit- und Lebensumstände einer Unterschichtsfamilie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu rekonstruieren.
Über tausend Dokumente – entstanden innerhalb von 22 Jahren – sind über die Familie De Agostini angefertigt worden. Sie werfen ein Schlaglicht auf die Nöte und Sorgen der Familie über drei Generationen hinweg, An diesem Beispiel lässt sich exemplarisch zeigen, wie sich Wahrnehmungen zu Stigmatisierungen verfestigen und in welch ambivalentem Verhältnis staatliche Wohlfahrt und bevormundende Eingriffe zueinander stehen.

Marion Pomey – Entscheidungspraxis bei Fremdunterbringung
Die Sozialpädagogin und Sozialwissenschafterin analysierte im Feld sozialpädagogischer Krisenintervention, wie Prozesse der Fremdunterbringung von Kindern vonstatten gehen und was dabei wie entscheidungsrelevant wird. In diesem Bereich professioneller Intervention, Kindesschutz und Inobhutnahme von Kindern verweist die Studie auf verschiedene Vulnerabilitätskonstellation und untersucht dabei wer im Hilfeverlauf welche Verhandlungsposition(en) erfährt. Anhand von zwölf rekonstruierten Hilfeverläufen wird es möglich eine Typologie von Fremdunterbringungsprozessen zu erstellen, die deutlich macht, wie und aufgrund von was Familien Ermächtigung und Entmachtung erfahren und inwiefern dies mit einem Ideal ‚familialisierter Kindheit’ zusammenhängt.

Ute Zillig – Biographieforschung
Die Soziologin und Sozialpädagogin untersuchte die biografischen Verläufe von Frauen, die schon in früher Kindheit sexualisierte, körperliche und andere Gewalt erleben mussten und sich als erwachsene Frau und Mutter in traumatherapeutischer Behandlung befinden. Insbesondere analysierte sie die Bedeutung von staatlichen Leistungssystemen der Jugendhilfe und des Gesundheitssystems. Wie sind soziale Isolation und Hoffnungslosigkeit bei den gewaltbetroffenen Müttern entstanden? Wo wurden in den Biografien Ermächtigungsprozesse und Selbstverstehen ermöglicht?

Organisation:
Freundeskreis Mösli, Stiftung Kinderfreundeheim Mösli, Pro Rote Falken, Rote Falken

Rückblick Möslifest 2016

Bildungsveranstaltung 2016

Islam who? Von, über und mit welchem Islam sprechen wir?

Der Islam in der Schweiz: Schlaglichter statt Schlagworte

Samstag, den 18. Juni 2016
(ab 10.00 h Kaffee) 11.00 – 17.00 h

Bitte Anmelden bis 10. Juni 2016!

Anmeldeformular: hier klicken

Anreise:
ÖV mit Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg.
Bus 235 ab Zürich Wiedikon/Triemli bis Gamlikon.
Für Anreise mit Auto: Parkplatz Buchenegg.
Die Fusswege (je ca. 25 Min.) sind ausgeschildert.
Zufahrt zum Mösli nur mit Ausnahmebewilligung.


Viele aktuelle Debatten sind heute voll von Schlagworten rund um ‚den Islam’ in der Schweiz: religiös begründete Radikalisierung, politischer Islam, Islamischer Staat, muslimische Zugewanderte. Gleichzeitig erlebt die Islam-feindlichkeit eine immer stärkere Präsenz und Verfestigung in der medialen Öffentlichkeit. Für eine sozialpädagogisch-reflektierte Praxis und Theorie können diese Schlagworte nicht nur Schlagworte bleiben. An der Bildungstagung sollen deshalb auf das grosse Themenfeld „Islam in der Schweiz“ verschiedene Schlaglichter geworfen und diskutiert werden. Dabei geht es um eine fundierte Diskussion einiger der vielen Facetten, unter denen heute ‚der Islam’ in der Schweiz zum Thema gemacht wird. Es geht somit u.a. um Fragen wie: Welche Konstrukte liegen hinter der Alltagsdebatte? Wie sieht jihadistische Radikalisierung in der Schweiz heute wirklich aus, wie kann ein inter- und innerreligiöse Dialog aussehen, und wo und wie wird eine religions-feindliche Perspektive konstruiert und gefestigt? Zur Debatte steht, wie wir mit religiös funda-mentalistischen Haltungen im Kontext von Pluralität und Rechtstaat umgehen sollen. Wie kann mit dem Spannungsfeld zwischen Eintreten gegen Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit auf der einen Seite, und einer grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber Religionen auf der anderen Seite, umgegangen werden? Anhand von drei Inputvorträgen soll die Bildungsveranstaltung Anlass geben, sich mit ein paar Facetten der Thematik vertieft und aktuell auseinanderzusetzen und eine kritische aber reflektierte Haltung gegenüber und mit Religionen zu schärfen. Wir möchten damit einen Beitrag zur  Sensibilisierung der komplexen Thematik leisten.

ReferentInnen

Patrik Ettinger ist stellvertretender Präsident des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft foeg der Universität Zürich. In seinem Referat richtet er den Blick auf die Qualität der öffentlichen Auseinandersetzung über den Islam in der Schweiz und fokussiert dabei auf das Spannungsfeld zwischen (legitimer) Kritik und abwertender Pauschalisierung und versucht auf diese Weise „Islamo-phobie“ zu fassen.

Miryam Eser Davolio ist Dozentin und wissen-schaftliche Mitarbeiterin an der ZHAW Soziale Arbeit. Sie hat sich als Rechtsextremismusforscherin einen Namen gemacht. Ihr Forschungsinteresse umfasst auch Jugend-delinquenz, Jugendgewalt sowie Migration und Integration. Unter ihrer Leitung hat ein interdisziplinäres Team letzes Jahr die Hintergründe jihadistischer Radikalisierung in der Schweiz untersucht. Diese explorative Studie gibt einen Überblick und eine Orientierungshilfe in dieser komplexen und vielschichtigen Thematik, zudem werden Handlungs-optionen aufgezeigt.

Lilo Roost Vischer ist Koordinatorin für Religionsfragen bei der Fachstelle Diversität und Integration des Kantons Basel-Stadt. Die promovierte Ethologin und Religions-wissenschaftlerin ist Leiterin des ‚Runden Tisches der Religionen beider Basel’. Sie arbeitet zu Schwerpunkten angewandter Ethnologie, sozialer und religiöser Hetero-genität, Inter- und Transkulturalität, Migration, Westafrika und dem Islam in der Schweiz. Als Dozentin ist sie u.a in der Ko-Leitung des Moduls „Religion und Konflikt“ (MAS Friedens- und Konfliktforschung; Universität Basel) tätig und referiert im Rahmen eines Fachseminars „Heraus-forderung (radikalisierter) Islam“ (Soziale Arbeit, HS Luzern).

Organisation:
Freundeskreis Mösli, Stiftung Kinderfreundeheim Mösli, Pro Rote Falken, Rote Falken
Adrienne Angehrn, Barbara Hobi, Basil Dietlicher, Martin Uebelhart

Bildungsveranstaltung 2015

Von helfenden Richtern, strafenden Psychiatern und der medialen Öffentlichkeit

Samstag, den 13. Juni 2015
(ab 10.00 h Kaffee) 11.00 – 17.30 h

Bitte Anmelden!

Anmeldeformular: hier klicken

Anreise:
ÖV mit Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg.
Bus 235 ab Zürich Wiedikon/Triemli bis Gamlikon.
Für Anreise mit Auto: Parkplatz Buchenegg.
Die Fusswege (je ca. 25 Min.) sind ausgeschildert.
Zufahrt zum Mösli nur mit Ausnahmebewilligung.

PDF Ausschreibung im Mösliblatt


Was bedeutet es für eine Gesellschaft im Allgemeinen und für eine Demokratie im Besonderen, wenn bei der Festsetzung von Strafen immer häufiger nicht das Strafrecht entscheidend ist, sondern ein psychiatrisches Gutachten über die Massnahme bestimmt? Unweigerlich stellt sich die Frage, ob Richter Angst vor den Folgen ihrer Urteile haben und sich deshalb absichern und sich ein Stück weit der Verantwortung entziehen, um nicht selber im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen? Diese Angst ist nicht unberechtigt. Einerseits wurde letztes Jahr eine Initiative zur «Haftung für Rückfälle von Sexual- und Gewaltstraftätern» lanciert, andererseits mussten im Kanton Zürich in jüngster Vergangenheit nach medialen Skandalisierungen aufgrund von Drohungen ein Jugendanwalt und in einem anderen Fall eine KESB unter Polizeischutz gestellt werden. Schnell geht es nicht mehr um juristische, psychiatrische oder sozialpädagogische Überlegungen, sondern während Wochen oder gar Monaten bestimmen unreflektierte Anschuldigungen die Gefühlslage der Bevölkerung und wirken sich dadurch hemmend, hinderlich oder gar kontraproduktiv auf die professionelle Arbeit von Justiz, Behörden und Politik aus. Dabei wären eine kritische Auseinandersetzung über Strafen und sozialpädagogische Massnahmen durchaus Themen, die einer aufgeklärten Bevölkerung gut anstehen würden. Wir möchten das mit unseren Referenten tun:

Die erfolgreichsten Massnahmen im Rahmen des Jugendstrafrechts

Hansueli Gürber stellt das Schweizer Jugendstrafrecht vor und beschreibt die erfolgreichsten jugendstrafrechtlichen Massnahmen. Er hat vielfältige Erfahrungen als Jurist. Nach dem Studium arbeitete er als Aufseher, dann als Rechtsberater für Häftlinge im Gefängnis in Regensdorf. Er amtete als Richter, als Staatsanwalt war er während der Platzspitzzeit auf Drogendelikte spezialisiert. Bevor er leitender Jugendanwalt der Stadt Zürich wurde, leitete er die Jugendanwaltschaft Horgen. Zudem war er dreizehn Jahre lang Pressesprecher.

Richter oder Psychiater: Wer entscheidet über die Zukunft von Straftätern?

Mario Gmür, selber erfahrener Gerichtsgutachter, erläutert seine Kritik an der heutigen Psychiatrie im Allgemeinen und an der forensische Psychiatrie, insbesondere der Rückfall- und Gefährlichkeitsprognose im Besonderen. Er hat eine eigene Praxis als Psychiater, Psychotherapeut und Psychoanalytiker. Zu Platzspitzzeiten war er Oberarzt des sozialpsychiatrischen Dienstes der Stadt Zürich, zudem war er Privatdozent für Psychiatrie an der Universität Zürich. Er publizierte mehrere Sachbücher darunter eine Medienkritik mit dem Titel „Der öffentliche Mensch. Medienstars und Medienopfer“, in dem er das „Medienopfersyndrom“ erläutert und eine klarere Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit propagiert.

Welche Auswirkungen hat die zunehmende Medialisierung auf Verantwortungsträger

In einem dritten Teil bitten wir beide Referenten aus ihren je unterschiedlichen Professionen über die Auswirkungen, welche die zunehmende Medialisierung auf Verantwortungsträger hat, zu debattieren? Wir freuen uns auf ein interessiertes Publikum, anregende Referate und gehaltvolle Diskussionen

 

Tagungsleitung:
Barbara Hobi, lic phil I, Supervisorin,
Vizepräsidentin Stiftung Kinderfreundeheim Mösli
Vorstand Freundeskreis Mösli

Martin Uebelhart, Personalberater, Publizist
Stiftungsrat Mösli

Basil Dietlicher, Soziokultureller Animator
Stiftungsrat Mösli, Vorstand ProRoteFalken

Für das Kulinarische sorgt der Vorstand von ProRoteFalken. Wer noch verweilen möchte: Für Selbstmitgebrachtes steht abends der Grill zur Verfügung.